Gegen den Strom der Bequemlichkeit.
Alltag

Digitale Gehirnverstopfung

Ich ertappe mich in letzter Zeit immer wieder dabei, wie ich aus Langeweile online Medien konsumiere. Das kurze Wischen am Tablet. Das Swipen am Mobiltelefon, immer auf der vermeintlichen Suche nach etwas Neuem. Am Ende bleibt ein seltsames Gefühl zurück: online sein und trotzdem nicht verbunden sein.

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Bildquelle:chatgpt

Wir haben ein Wort für zu viel Essen. Für zu viel Alkohol. Für zu viele Reize im Straßenverkehr. Aber für das, was mit unserem Kopf passiert, wenn er zwölf Stunden am Tag mit Bildschirminhalten gefüttert wird, dafür haben wir noch keinen guten Begriff. Ich nenne es für mich: digitale Gehirnverstopfung.

Verstopfung entsteht nicht durch eine einzelne Mahlzeit, sondern durch die Summe. Zu viel, zu oft, zu wenig Pause dazwischen. Genau so funktioniert der Strom aus Newsfeed, Messenger, Kurzvideo, Pushmeldung.

Ich greife zum Mobiltelefon, ohne vorher zu wissen, wofür. Wische und wische, auf der Suche nach etwas, das ich gar nicht benennen kann. Nach einer halben Stunde bin ich nicht erholter, sondern leerer.

Das Erwischen selbst ist übrigens kein neues Phänomen. Das gab es schon vor den Bildschirmen: das Zeitungblättern ohne wirklich zu lesen, das Zappen, die gedankenlose Zigarette. Neu ist nicht das Bedürfnis, Leere zu füllen. Neu ist nur das Werkzeug, das genau darauf zugeschnitten ist, dieses Bedürfnis endlos zu bedienen.

Deshalb bringt das bloße Erwischen allein auch nichts. Zu wissen, dass man gerade wieder wischt, ändert noch nichts. Entscheidend ist das richtige Bewusstwerden in genau diesem Moment, und der richtige Umgang damit. Nicht das schlechte Gewissen. Die bewusste Entscheidung, jetzt etwas anderes zu tun.

Die eigentliche Kunst ist, das zu erkennen und sich nicht in den ganzen Schrott hineinziehen zu lassen. Denn dafür bezahlen wir einen Preis, den wir uns selten bewusst machen: den an echten sozialen Kontakten. Jede Minute im Feed ist eine Minute, die nicht bei einem Anruf, einem Gespräch am Tisch, einem echten Treffen gelandet ist.

Ich spreche aus eigener Erfahrung. Die ersten Minuten dieser sogenannten Langeweile fühlen sich komisch an. Fast wie ein kleiner Entzug. Aber dann, plötzlich, macht man Dinge, die man sich schon lange aufgeschoben hat. Die Pflanzen gießen. Ein Buch in die Hand nehmen. Dinge, die man unbewusst vor sich hergeschoben hat, weil der ganze Schrott am Bildschirm die Zeit dafür aufgefressen hat.

Genau das ist der Beweis: es war Verstopfung, kein echtes Bedürfnis.

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