Ich habe das vor einiger Zeit selbst so festgehalten: bis 2050 werden wir Temperaturen haben wie heute in Marseille. Das war als Prognose gedacht, ein Blick in eine noch entfernte Zukunft. Jetzt sitze ich hier im Juni und habe Ventilatoren und das Monoblock-Klimagerät aus dem Keller geholt. So früh wie nie. Nicht 2050. 2026.

Es geht schneller, als die Modelle es vorhergesagt haben. Das ist keine gefühlte Wahrheit, das ist meine eigene Beschaffungsliste der letzten Wochen. Die letzten zwei Wochen habe ich auch an mir selbst gemerkt, wie sehr das etwas macht. Die Nächte waren unerträglich, kaum Abkühlung, und die Konzentration am Tag hat merklich gelitten. Schlafmangel durch Hitze ist keine Randnotiz, sondern spürbar im Kopf.

Und ja, das ist eine Ironie, die ich nicht auflösen kann. Ich schreibe hier gegen Konsum, gegen das Gerät als Lösung für alles, und kaufe dann selbst ein Klimagerät, weil es im Juni nicht mehr auszuhalten war. Anpassung hat Grenzen. Ein Ventilator kühlt die Wohnung, nicht das Klima. Er verschiebt das Problem in die Steckdose und den Stromverbrauch, löst aber nichts. Was mir bleibt, ist die Beobachtung: die Schätzungen, mit denen wir gerechnet haben, waren zu vorsichtig. Nicht falsch in der Richtung, aber falsch im Tempo.