Früher war das mit dem Verpassen überschaubar. Wer um 14 Uhr mit Freunden verabredet war und erst um 14.30 Uhr auftauchte, hatte vielleicht tatsächlich etwas verpasst. Die gemeinsame Radtour war schon gestartet, der Bus abgefahren oder die Runde weitergezogen. Pech gehabt.
Heute ist das anders.
Wir hängen am Smartphone, scrollen durch Nachrichten, schauen, was andere machen, und wollen immer auf dem Laufenden bleiben. Könnte ja sein, dass wir etwas verpassen.
FOMO nennt sich das. Fear of Missing Out. Die Angst, etwas zu verpassen.
Nur frage ich mich manchmal: Was genau verpassen wir eigentlich, während wir stundenlang auf einen Bildschirm schauen?
Auch die Wissenschaft beschäftigt sich inzwischen mit unserer Smartphone-Nutzung. Eine 2025 veröffentlichte Studie aus Österreich verglich die Nutzung in den Jahren 2022 und 2024. Das Ergebnis: Die tägliche Nutzungsdauer ist gestiegen. In der Untersuchung verbrachten 2024 mehr Menschen mindestens drei Stunden täglich am Smartphone als noch zwei Jahre zuvor.
Drei Stunden. Jeden Tag.
Die Studie untersucht nicht direkt die Angst, etwas zu verpassen. Aber sie zeigt, wie viel Raum das Smartphone in unserem Alltag einnimmt.
Und da frage ich mich schon: Was verpassen wir eigentlich in dieser Zeit?
Vielleicht das, was gerade um uns herum passiert.
Die Zeit draußen. Ein Gespräch. Eine Beobachtung am Wegesrand. Oder einfach einmal nichts.
Wir wollen nichts verpassen und verbringen dabei einen beträchtlichen Teil unserer Zeit damit, auf das Leben anderer zu schauen.
Schon irgendwie paradox.
Vielleicht sollten wir wieder öfter das Smartphone weglegen und einfach losziehen. Ohne ständig nachzusehen, was anderswo passiert.

Denn nicht überall dabei zu sein, ist kein Verlust.
Manchmal ist es genau das, was uns gut tut.
Quelle: Humer, E. et al. (2025). Problematic smartphone usage in the Austrian general population: a comparative study of 2022 and 2024. Frontiers in Public Health.