Wir reden über Plastik im Meer, als wäre es ein einzelnes Problem an einem einzelnen Ort. Ist es nicht. Es gibt fünf davon.
Der bekannteste sitzt im Nordpazifik, zwischen Kalifornien und Hawaii: der Great Pacific Garbage Patch. Nach einer mehrjährigen Untersuchung ist er größer als lange angenommen: rund 80.000 Tonnen Plastik treiben dort, verteilt über eine Fläche von 1,6 Millionen Quadratkilometern, das entspricht der 4,5-fachen Fläche Deutschlands (TRAVELBOOK, 2025). Der größte Teil davon ist kein Mikroplastik, sondern Fischernetze und größere Teile, die einfach nicht verrotten.
Vier weitere Wirbel gibt es, in Atlantik und Indischem Ozean. Sie bekommen keine Doku, keinen Namen, den jeder kennt. Trotzdem sind sie da.
Das eigentlich Interessante ist nicht die Größe. Es ist die Herkunft. Ein Großteil des Mülls kommt nicht aus dem Meer selbst, sondern von Land, über Flüsse (WWF Deutschland, o. J.). Und ein relevanter Teil davon ist Müll, den reiche Industrieländer exportiert haben, weil die eigene Recyclingquote auf dem Papier besser aussieht, wenn das Problem woanders landet. Wie das konkret aussieht, sieht man gerade auf Bali. Während der Monsunzeit werden an den Stränden von Kuta, Seminyak, Legian und Jimbaran täglich zwischen 30 und 60 Tonnen Plastik angeschwemmt (Reisevor9, 2026). Freiwillige und Behörden räumen, dann kommt die nächste Welle. Ein Teil des Mülls ist lokal, ein großer Teil stammt aus anderen Regionen Indonesiens und Südostasiens, herangetrieben von Wind und Strömung. Indonesien liegt bei den weltweiten Plastikverschmutzern auf Platz drei, hinter Indien und Nigeria, mit rund 3,4 Millionen Tonnen Makroplastik jährlich (TRAVELBOOK, 2026). Das Bild von Kuta ist also kein Ausreißer, es ist die Stelle, an der man das große Problem gerade zufällig gut sehen kann.
Aktuell schwimmen insgesamt 80 bis 150 Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen, jedes Jahr kommen über 19 Millionen Tonnen dazu (WWF Deutschland, o. J.). Das ist kein Fernsehproblem. Das ist die Konsequenz von zu viel Einwegverpackung, zu billigem Plastik, zu wenig Verantwortung an der Quelle. Man merkt es nur nicht, weil man selten am Strand steht, an dem es ankommt.
Quellen:
Reisevor9. (2026, 13. März). Monsun spült derzeit tonnenweise Müll an Balis Strände. https://www.reisevor9.de/destinations/monsun-spuelt-derzeit-tonnenweise-muell-an-balis-straende TRAVELBOOK. (2025, 14. Juli). Studie: Plastikstrudel im Ozean viel riesiger als gedacht. https://www.travelbook.de/news/plastik-muell-im-ozean TRAVELBOOK. (2026, 12. März). Schockierende Fotos! Beliebter Strand auf Bali versinkt im Müll. https://www.travelbook.de/reiseziele/schockierende-fotos-beliebter-strand-auf-bali-versinkt-im-muell WWF Deutschland. (o. J.). Plastikmüll im Meer. https://www.wwf.de/themen-projekte/plastik/plastikmuell-im-meer