Wien, Graz, Linz: die Feinstaubwerte in Österreichs Städten sinken seit Jahren, klar. Aber "unter dem Grenzwert" heißt nicht "gesund". Laut einer aktuellen VCÖ-Analyse wurde 2025 der WHO-Richtwert für PM2,5 an 94 Prozent aller österreichischen Messstellen überschritten. Graz und Linz führen die traurige Liste an, mit Jahresmittelwerten von 14,4 beziehungsweise 13,3 Mikrogramm pro Kubikmeter, weit über dem künftigen EU-Grenzwert von 10 und erst recht über dem WHO-Richtwert von 5.

Was mich dabei aufhorchen lässt, ist nicht mehr nur Lunge und Herz. Immer mehr Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Feinstaub und Demenz. Eine Auswertung von Daten aus 56,5 Millionen Menschen in den USA, veröffentlicht im Fachmagazin Science, zeigt: wer dauerhaft in stark belasteten Regionen lebt, trägt ein deutlich höheres Risiko für Lewy-Body-Demenz. Eine weitere Übersichtsarbeit beziffert es konkreter: pro zusätzlichem Mikrogramm PM2,5 steigt das Demenzrisiko um etwa drei Prozent.

Der Mechanismus, den Forschende vermuten: Feinstaub schädigt die Blut-Hirn-Schranke, begünstigt Entzündungen im Nervengewebe, und trägt zu Ablagerungen bei, die man sonst von Alzheimer kennt. Beweisen im strengen Sinn lässt sich das kaum, dafür bräuchte es Experimente, die aus ethischen Gründen niemand durchführen wird. Aber die Indizien häufen sich seit Jahren, siehe auch diesen Spektrum-Artikel aus 2020, der zeigt: das Thema ist nicht neu, nur die Beweislage wird dichter. Was heißt das für Österreich konkret. Die offiziellen Grenzwerte im Immissionsschutzgesetz-Luft orientieren sich an alten EU-Vorgaben, nicht an den strengeren WHO-Richtwerten.

Erst die überarbeitete EU-Luftqualitätsrichtlinie, die bis Ende 2026 in nationales Recht umgesetzt werden muss, bringt niedrigere Werte, mit voller Wirkung erst ab 2030. Bis dahin atmen wir weiter mehr, als uns guttut. Counter-Convenience heißt für mich hier: nicht warten, bis die Gesetzgebung nachzieht. Weniger Auto, wo es geht. Radln statt Stau, so oft es die Topografie zulässt. Und ein wacher Blick darauf, was die Luft in unserer Region wirklich enthält, nicht nur, ob sie den Grenzwert einhält.